Dez
21
2011

Frolumne #12a: Buchreview zu Otaku: Japan’s Database Animals

Review zu Azuma Hirokis Buch Otaku: Japan’s Database Animals aus dem Jahre 2001, die englische Übersetzung stammt aus 2009. Eine kürzere Behandlung mit anderem Schwerpunkt findet man hier, jedoch auf Englisch. Einige Seiten findet man, teilweise gekürzt, auf Google Books. Jedoch wird dort nur ein Teil des langweiligen Anfangs gezeigt.

Man entschuldige die schlechte Bildqualität der Fotos.

  • Azuma Hiroki
  • Der Autor mit Jahrgang 1971 ist mittlerweile ein angesehener Autor in Japan. Er ist Codirektor der Geisteswissenschaftlichen Akademie am Tokyo Institute of Technology. Sonst ist er auch Buchkritiker und schreibt Essays.

  • Jonathan E. Abel & Kono Shion
  • Diese zwei haben das Buch gemeinsam ins Englische übersetzt. Abel ist Assistenzprofessor für Vergleichende Literatur an der Pennsylvania State University und Kono ist Assistenzprofessor für Literatur an der Sophiauniversität.

  • Allgemeines zum Buch
  • Abgesehen von einigen Ausnahmen (Autor) werden die japanischen Namen in der japanischen Schreibweise geschrieben, dies jedoch ohne explizite Erwähnung. Man muss das also selber herausfinden. Die westlichen Namen sind natürlich in der westlichen Schreibweise.

  • Review
  • Der Hauptteil des Buches, das ganz simpel Otaku genannt wird, ist in drei Teile gegliedert:

    1. The Otaku’s Pseudo-Japan
    2. Database Animals
    3. Hyperflatness and Multiple Personality

    Ich habe die Titel absichtlich nicht übersetzt, da dies iwie strange klingen würde.
    Vor dem Hauptteil sagt der Autor noch was zur englischen Version seines Buches, dann folgt eine recht ausführliche Vorstellung des Werdegangs Azumas.

  • 1. The Otaku’s Pseudo-Japan
  • Im ersten Teil wird dann erst mal erörtert, was ein Otaku ist. Azuma geht hier auf den Otaku ein, der ausserhalb von Japan gemeint ist. Der Anime-, Manga-, PC-Games-Otaku und dergleichen. Er fängt dabei ganz am Anfang der Otakukultur an. Zeigt, wie sich diese entwickelt und verändert hat. Einige wichtige Geschehnisse werden auch erwähnt (Amoklauf eines Otakus). Es wird auch immer wieder kurz abgeschweift, um z.B. Begriffe genauer zu definieren. Postmoderne wird u.a. ausführlich definiert, was ein bisschen langatmig und trocken daherkommt. Das charakteristische Aussehen der Animes wird auch angeschaut, wobei zwei Bilder einer Miko abgedruckt sind. Nur blöd, dass diese verwechselt wurden. So wird Sailor Mars aus Sailor Moon zu Sakura aus Urusei Yatsura, und umgekehrt.

    Wenn man die Wurzeln der Otakukultur betrachtet, kommt man auch nicht drumherum, die Einflüsse der USA zu analysieren. Azuma sieht die Gründe für die Besessenheit des Otakus auch nicht durch die japanische Tradition begründet, sondern darin, dass diese verschwunden ist.
    Azuma teilt die Otakus auch in drei Kategorien ein. Die erste, zweite und dritte Generation, je nachdem, wann man geboren wurde. Die heutige, dritte Generation, unterscheidet sich grundlegend von den vorherigen. Die Unterschiede werden untersucht und die Gründe dafür gesucht.

    Der erste Teil ist mit etwas mehr als 20 Seiten recht kurz, aber es wird das Grundlegendste erwähnt.

  • 2. Database Animals
  • Eins vorneweg: Mit Database sind nicht die Datenbanken gemeint, die man aus der Informatik kennt.
    Der zweite Teil ist mit Abstand der umfangreichste. Es kommen viele Fachbegriffe vor, die dem Laien nicht geläufig sind: Simulacrum, Grosse und Kleine Erzählung (Grand/Small Narrative), Nicht-narrative Erzählung (Nonnarrative) .
    Unter dem Begriff des Simulacrums fallen für Azuma die otakutypischen Doujinshis. Fällt dieses Wort, kommt zwangsweise auch die Comiket ins Spiel, welche selbstverständlich auch im Buch vorkommt. Die Bedeutung der Doujins und was sie überhaupt sind, wird erklärt. Jene Doujins sind für Azuma auch ein Merkmal der Postmoderne in der Otakukultur.
    Hat man diese erste anstrengende Phase mit Fachbegriffen überstanden, kommt wohl der interessanteste Teil des Buchs. Der Niedergang der Grossen Erzählungen wird vorgestellt. Das wird anschaulich mit zwei Animes vorgestellt. Der Vergleich zwischen den Fans von Gundam und jene von NGE. Denn viele Gundamfans mögen Gundam aufgrund der abgeschlossenen Rahmenhandlung der verschiedenen Welten. Im Gegensatz dazu sind die Fans weniger an der Welt von NGE interessiert, sondern eher an den Moeelementen, allen voran die jüngeren der dritten Generation. Das Umfeld sowie das Character Design stehen im Vordergrund. Das Aufkeimen vom sogenannten Charamoe.
    Die Einheitlichkeit mit den Zeitlinien oder die mechanische Realität sind Gundams Vorzüge für die Fans, die NGE-Fans wollen eher mit den Protagonisten mitfühlen, damit sie Erodoujins zeichnen oder Roboterfiguren bauen können. Eher selten interessieren sie sich für den Aufbau der Welt des Werkes.
    Anschliessend wird noch ausführlich auf das Aufkommen des Phänomens Moe eingegangen und einige Moeelemente anhand von Beispielen aufgelistet. Einher geht damit die Verlagerung von guten Storys zu attraktiven Charakteren, wo dann der Begriff Database eine wichtige Rolle spielt. Im Zuge dessen folgt nach vielen komplexen Seiten über Snobismus, Hegel’sche Philosophie und Kynismus, auch eine Erwähnung der Visual Novels. Danach wird wieder auf die Otakukultur eingegangen, unter dem Untertitel The Animal Age, was den zweiten Teil abschliesst.
    Übrigens werden einige Sachverhalte in diesem Kapitel, und auch vereinzelt im ersten, mit Bildern veranschaulicht, von denen ich die wenigsten verstanden habe…

  • 3. Hyperflatness and Multiple Personality
  • Das dritte Kapitel geht dann weg von der Theorie zur Praxis, sozusagen. Es wird aufgezeigt, wie sich die momentane Otakukultur manifestiert, darunter fällt auch das Internet und speziell HTML. Die Charakteristiken von Internet, PC-Games und Software wird dann unter dem Ausdruck Hyperflatness vereint, was übersetzt in etwa Hyperflachheit bedeutet. Insofern flach, weil die Inhalte des PCs per Bildschirm halt flach dargestellt werden.
    Als Abschluss werden noch die Eigenschaften der Visual Novels näher beleuchtet. Dafür wird das Galge Yu-No von Kanno Hiroyuki (Kenno Yukihiro) eingehend studiert. Das wird auch wieder mit Fachbegriffen garniert. Sogar über die dissoziative Identitätsstörung (multiple Persönlichkeitsstörung) wird gesprochen.

    Es folgen noch die umfangreichen Endnoten und der Index, das den Schluss des Buches markiert.
    Alles in allem ein sehr interessantes Buch, falls man sich für die Otakukultur interessiert. Die Materie wird ausführlich behandelt und bietet so jedem etwas Neues, das man nicht ohne Weiteres mitbekommt. Auch wenn es zwischendurch mühsam zum Lesen ist, kann ich das Buch allen Interessierten empfehlen. Mit ca. 12 Euro ist das Buch auch nicht mal so teuer.

    Autor: Fruechtechorb in: | Erstellungszeit: 18:55 Uhr | Kategorien: Frolumne, Lesens-/Sehenswertes, Review | Tags: , , , |

    1 Kommentar »

    • nano sagt:

      Ich musste für die Uni auch nen Abschnitt aus dem Buch lesen. Fand ich nicht unbedingt so dolle. Einige Beispiele fand ich doch etwas weit hergeholt…
      Im Ansatz aber sicher nicht schlecht.

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