Jul
15
2014

Konzertreview: BABYMETAL in Paris

BABYMETAL world tour

Mein Bericht zu Legend Y, dem Paris-Konzert und der Europapremiere von BABYMETAL.

Am 1. Juli trat BABYMETAL in Paris im La Cigale zum ersten Mal in Europa auf. Das war der Beginn ihrer World Tour 2014, welche erst vor wenigen Wochen überraschenderweise angekündigt wurde. Es war dies nicht ihr erster Auslandsauftritt, Singapur und Indonesien statteten sie auch schon einen Besuch ab. Das La Cigale bietet Platz für fast 1400 Leute, wobei der Balkon mit Sitzplätzen ausgestattet ist. Das Konzert war glaube ich nicht ganz ausverkauft, aber die Halle war trotzdem voll. Die ersten Hardcore-Fans sassen schon am Vorabend vor dem Eingang der Halle. Ich schaute am 30. Juni um 21.00 Uhr vorbei, da waren schon ca. fünf Leute anwesend, einige davon Japaner/innen. Am nächsten Tag wurde ich von meinem Freund FugoMetal (Admin von babymetal.de) um 13.00 Uhr darauf aufmerksam gemacht, dass schon ca. 50 Leute anstanden. Kurz danach stand ich dann auch mal an, fast fünf Stunden vor Konzertbeginn und vier Stunden vor Einlass! Aber hatte so oder so vor, um kurz nach 13 Uhr aufzutauchen.

Schlange um 13.30 Uhr

Schlange um 13.30 Uhr

Die Spitze der Schlange um 14 Uhr

Die Spitze der Schlange um 14 Uhr

Den stereoptypischen Idol-Fan stellt man sich bekanntlich männlich, 20-30 Jahre alt, creepy und allgemein strange vor. Unter den schon anwesenden BABYMETAL-Hardcorefans fand man davon keine vor. Von ca. 12-jährigen Mädchen bis zum Ü50er war so gut wie alles vertreten. Solche, denen man ansieht, dass sie Metalfans sind, und solche, die man eher an einem Hip-Hop- oder One-Republic-Konzert erwarten würde, oder auch einfach „normale“ Leute. Und Eltern/Grosseltern, die ihre U16-Kinder begleiten mussten. Einigen Fans sah man an der Kleidung auch sofort an, dass sie Anime-/Mangafans sind. Wie ich es beurteilen konnte, war der Grossteil auch aus Frankreich. Hörte recht wenig Leute, andere Sprachen sprechen. Vereinzelt Deutsche oder solche aus UK, und eine beachtliche Menge an Japanern (vor allem am Anfang der Schlange). Wie erwähnt gab es auch weibliche Fans, die waren zwar klar in der Minderheit, aber man musste nicht nach ihnen suchen. Bei mir standen dabei einige sehr reizende Mädchen. Die eine sah 12-15-jährig aus und war asiatischstämmig (Filipino oder so), sprach Französisch und trug einen Rock und den Kimono von SU-METAL aus dem Megitsune-Video. Zwei andere Französinnen, etwa 15-17-jährig, die eine sprach fliessend Japanisch, boten einfach so ihre Tanzkünste dar, als eine Gruppe (in dezenter Laustärke) Japanmukke ablies, und dabei sind türlich auch einige BABYMETAL-Songs vorgekommen. War für alle Beteiligten sehr ämusant, diese zwei beim Aufführen von BABYMETAL-Choreographien zuzuschauen. Es hatten sichtlich alle ihre Freude, vor allem die Tänzerinnen selber. Jene, die Japanisch konnte, verteilte auch selbst ausgedruckte Zettel, worauf Viel Glück zum Geburtstag, Yui auf Japanisch und Französisch draufstand. Das sollte man dann während des Konzerts gleichzeitig aufzeigen, wenn alle ANKORU rufen oder so.

Tanzeinlage von BABYMETAL-Fans

Tanzeinlage von BABYMETAL-Fans

Unter den Fans aus Japan, welche ganz vorne standen bzw. sassen, ging eine in regelmässigen Abständen die Schlange entlang und bat die Fans nach einer Botschaft für BABYMETAL. Man konnte auf ein Stück Pappe irgendetwas draufschreiben. Sie liess sich sogar von jemandem ihre Bitte auf Französisch auf ein Blatt schreiben lassen, und das zeigte sie dann jedem. Gleichzeitig in perfektem Engrish: Messeji foa BABYMETAL! Sie war aber sehr nett, freundlich und hat stets gelächelt.

Schlange um 16.30 Uhr

Schlange um 16.30 Uhr

Bis 14/15 Uhr wurde die Schlange nicht viel länger, aber von da an wuchs sie zu einer beachtlichen Länge an. Kurz vor 18.00 Uhr, Leute mit einem Early-Access-Ticket wurden schon um diese Zeit reingelassen, verbreiterte sich vor dem Eingang die Schlange. Ganz dreiste Leute stellten sich vorne einfach neben die Leute, statt ganz hinten anzustehen. Nach leichten organisatorischen Unzulänglichkeiten wurde der erste Teil um 18.00 Uhr dann endlich reingelassen. Drinnen gab es einen kleinen Stand, wo man sich T-Shirts, Buttons, Schlüsselanhänger und ein Armband der Band kaufen konnte. Es gab auch ein exklusives Limited-Edition-T-Shirt, welches nur für die Konzerte in Paris und Köln hergestellt wurde. Hab ich leider zu spät gesehen und war dann schon ausverkauft. In der Halle drinnen waren die ersten paar Reihen innert kürzester Zeit besetzt. Aber auch 15 Minuten nach Einlass konnte man sich einen guten Platz vor der Bühne sichern. Erst als um 18.30 Uhr auch alle anderen reinstürmten, füllte sich die Halle. Während der ganzen Zeit lief übrigens irgendwelche unpassende Musik. Darunter waren glaube ich auch solche von One Republic und so’n Zeugs…
Der Fan, den man am wenigsten an so einem Konzert erwarten würde, war übrigens ein Schwarzer mit Chaneltäschchen… Er war auch einer der Asis, die kurz vor Türöffnung sich vorne einfach reingequetscht haben. Einer hinter mir fand das gar nicht lustig, und meinte, der Asi dort vorne habe mir den Platz weggenommen. Mir war das ziemlich wayne, deshalb liess ich seine Gruppe einfach nach vorne.

Anfangs ging alles recht gesittet von statten. Die Leute, welche später kamen, schlossen einfach hinten auf. Wenige Minuten vor Beginn meinten aber einige, sie müssten sich noch vorne irgendwo reinquetschen. Und es war schon voll, sodass man sich kaum bewegen konnte. Einige beschwerten sich, aber die Asis liessen sich davon nicht beeindrucken und erquetschten sich einfach einen Platz…
Recht genau um 19 Uhr fing wie geplant das Konzert an. Es gab ein spezielles Intro mit Leinwandprojektionen, bevor der Opener BABYMETAL Death eingespielt wurde. Kaum fingen die Projektionen an, brach die Menge in Ekstase aus. Alle fingen an wie wild herumzudrücken und man wurde zwangsweise in alle Richtungen gedrückt. Die ersten fünf bis zehn Minuten waren für mich ein regelrechter Überlebenskampf. Ich stand ca. zwei/drei Meter hinter der ersten Reihe, recht zentral. Ich musste dafür sorgen, dass ich nicht zerquetscht wurde… No kidding! Als ich dann auf die rechte Seite abgedriftet wurde, fand ich den optimalen Platz. Die krassesten Leute waren anscheinend mittig vor der Bühne, drumherum waren anständige Leute. Aber alle gingen von der ersten Sekunde ab wie die Sau! Es war einfach einmalig, hemmungslos mitzumachen und Teil davon zu sein. Auch YUIMETAL und MOAMETAL haben das sofort gemerkt und waren sichtlich erfreut darüber, dass die Leute von Anfang an auf 100 waren. Auch die Band hatte total Spass, für die Meute zu spielen. Um den Mädchen kleine Pausen fürs Umziehen zu gönnen, gab es einige abgefahrene Gitarren- und Basssolos, die von umjubeltem Gegröle begleitet wurden. Während des ganzen Konzerts stand vor der Bühne niemand still. Jeder hat mit erhobenen Armen das Fuchszeichen gewedelt oder ist rumgehüpft. Bei den üblichen Passagen, wo die Fans Einsatz zeigen (mussten), machten alle mit. Nach gut einer Stunde verabschiedete sich das Trio mit ihrem See You fürs Erste. Die ANKORU-Rufe liessen nicht lange auf sich warten. Daraufhin wurde für Yui standesgemäss Happy Birthday gesungen. Nach wenigen Minuten ununterbrochenem ANKORU-Geschreie kam die Band wieder auf die Bühne. Als dann Headbanger eingestimmt wurde, schrien sich die Fans nun auch ihre zweiten Lungenflügeln aus dem Leibe. Nach der Hälfte des Songs übergab SU-METAL das Mikro dann an YUIMETAL, worauf YUIMETAL das Lied noch zu Ende singen konnte. Es war ein einmaliges und ungewohntes Erlebnis, ihre Stimme als Hauptvocals zu hören. Der Unterschied zu SU-METAL war zwar sehr gross, stimmlich als auch akustisch.
Anschliessend wurde nach einer kurzen englischen Einleitung von YUIMETAL mit Ijime, Dame, Zettai das Schlussbouquet eröffnet. Wenige Meter vor der Bühne bildete sich eine Lichtung, worauf auf Kommando eines Fans die Wall of Death zelebriert wurde. Nach diesem fulminanten Abschluss verabschiedete sich das Trio dann endgültig. Die Kami Band liess sich auch noch minutenlang feiern und genossen es deutlich.
Recht viele Leute versuchten ständig, Videos zu drehen. Solange man keinen Videorecorder oder etwas ähnliches hatte, also Smartphone oder einfache Digicam, wurde das toleriert. Alles andere wurde strikte verboten. Bei Fotos genauso.

Das Konzert war selbstverständlich AWESOME SHIT! Genauso die Fans. Meiner Meinung nach war alles optimal: Die drei Mädels, die Band, die Fans, die Location, der Sound. Das La Cigale ist zwar nicht so gross, aber das macht es aus. Alle haben eine gute Sicht auf die Bühne. Die schwüle Atmosphäre minderte den Genuss keineswegs. Ein mit 20’000 Leuten gefülltes Budoukan ist zwar schon geil, aber ab ca. 50 Metern Abstand stell ich mir das nicht mehr so berauschend vor wie in einer vollen kleinen Halle. Und ich weiss nicht, ob ich mir das nur eingebildet habe. Aber ich hatte das Gefühl, dass SU-METAL ein-/zweimal ihren Einsatz ganz knapp verpasste und/oder ausser Atem kam. Bin mir aber wirklich nicht sicher, ob ich mich da einfach nur verhört habe.
Die Setlist war so, wie man sie erwarten konnte. Es wurde das ganze Album gespielt. Wär noch kewl gewesen, wenn das ein oder andere Cover gespielt worden wäre, die bei speziellen Gelegenheiten auch schon dargeboten wurden. Noch einmaliger wäre natürlich Yamanai Ame gewesen.
Hier die Reihenfolge der Songs:

BABYMETAL DEATH
Ii ne
Uki Uki midnight
Akumu no Rondo
Onedari Daisakusen
Catch me if you can
Akatsuki
4 no uta
Megitsune
Doki Doki Morning
Gimme Choco

Encore:
Headbanger (Yui-Version)
Ijime, Dame, Zettai

Nach dem Konzert harrten ein paar wenige Fans vor der Halle aus, in der Hoffnung, BABYMETAL noch zu sehen. Dem war ‚türlich nicht der Fall. Ich hab am Vorabend schon nach einem Hintereingang gesucht, aber keinen gefunden. Es muss wohl irgendwo einen anderen Ausgang geben. Jedenfalls kamen nur einige vom Staff und die Kami Band durch den Haupteingang und stiegen in den vorfahrenden Bus ein. Die Mädels waren zu der Zeit schon im Bus drinnen.
Jedenfalls lege ich jedem BABYMETAL-Fan den Rat ans Herz, ein Livekonzert zu besuchen. Auf CD sind sie ja schon übelst, aber live ist das einfach eine Dimension höher! Ich bereue es nicht, die lange Reise auf mich genommen zu haben und so lange angestanden zu sein. Wenn BABYMETAL hoffentlich mal wieder eine World Tour startet, bin ich mir sicher, dass sie wieder nach Frankreich kommen. Und ich werde selbstverständlich auch wieder dabei sein.

BABYMETAL-Betreuer beim Verlassen der Halle (Kamera war versehentlich auf manuell eingestellt, musste das Bild stark nachbelichten...)

BABYMETAL-Betreuer beim Verlassen der Halle (Kamera war versehentlich auf manuell eingestellt, musste das Bild mit Photoshop arg bis zum Maximum nachbelichten…)

Autor: Fruechtechorb in: | Erstellungszeit: 0:08 Uhr | Kategorien: Lesens-/Sehenswertes | |

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