Aug
04
2011

Review: The OTAKU Encyclopedia by Patrick W. Galbraith

Bis vor wenigen Wochen wusste ich nicht mal, dass es tatsächlich Literatur auf akademischem Niveau gibt, die das Thema Otaku und dergleichen behandeln, jedenfalls nicht ausserhalb Japans oder übersetzte Werke. Aber es gibt sie tatsächlich. Bin erst darauf gestossen, als ich mal (wieder) auf dem englischen Wikipedia die Definition von Moe nachlesen wollte. Ich durfte feststellen, dass diese Seite in letzter Zeit markant erweitert wurde. Früher waren das nur paar Zeilen, heute ist da schon viel mehr, und vor allem mit Quellenangaben. Da bin ich dann auf ’nen Typen namens Patrick W. Galbraith gestossen. Dachte erst mal, der hat doch eh keine Ahnung davon, elender Gaijin. Bissel recherchiert, wer das denn ist, und habe erkannt, dass der doch sehr viel Ahnung davon hat. Neben seinem JLPT Level 1 und dem Master in Japanologie von der Sophia Universität, macht er zurzeit den Ph. D. an der Universität Tokio. Mehr zu seiner Person erfährt man hier. Bin dann auf sein Buch The OTAKU Encyclopedia gestolpert. War anfangs skeptisch, ob das für mich wirklich etwas Neues zu bieten hat. Google-tan gefragt, Reviews gelesen, dann bei Danny Choos Buchvorstellung gelandet. Das hat mich dann überzeugt und prompt das Büchlein bestellt. Heute ist es nun angekommen. Habe das Buch kurz grob durchgeblättert, und möchte nun meine Meinung dazu abgeben. Danny Choos Kommentar zum Buch setzte ja schon hohe Massstäbe:

You can’t possibly be called an otaku without this book. I spent hours trying to think up words they might have forgotten to include – only to find them all well documented.

Das Buch ist auch schon zwei Jahre alt. Aber in den letzten zwei Jahren kamen ja nicht wirklich neue Wörter auf. Nun, das Buch ist über 240 Seiten stark, und kommt typisch japanisch im Softcover mit Schutzumschlag daher. Die Leserichtung ist aber westlich, d.h. von links nach rechts. Eins fällt, mir persönlich, schon am Cover negativ auf: ONIICHAN, what does „MOé“ mean? Dass Galbraith bei Onii-chan kein Bindestrich macht, ist nicht so schlimm, gibt da glaube ich eh nichts Einheitliches. Jedoch macht er bei Ishikawa-san eins, strange. Aber Moé mit Accent Aigu… (Accent Aigu frz., ausgesprochen agso egü, das Strichlein über dem e) Ich kann ja durchaus nachvollziehen, weshalb er das macht. Er ist Ami, und die Amis sprechen bekanntlich das E wie wir das I aus, mehr oder weniger. Und ich denke mal, dass er darum das Aigu macht. Das wird dann auch im Buch paar Mal gemacht, doch auch hier nicht bei allen. Damé mit, Anime, Eroge, Ecchi ohne. Wenn ich das jetzt so betrachte, check ich das Syste ned. Aba nya, ich find das Aigu in diesen Fällen jedenfalls hochgradig gay. Okay, er ist Ami, und die sprechen American English, was will man von denen erwarten… (BRITISH ENGLISH FTW!)
Und wie es im Japanischen üblich ist, unterscheiden sich die Schreibweisen, wenn man es in Romaji schreibt. Gibt da bekanntlich nicht nur eine Romajisierungsvariante. Vielfach wird ein langes o, das im Japanischen ô geschrieben wird, in Romaji einfach mit einem simplen o geschrieben. Z.B.: Tankobon, Osaka, Shogun, Romaji etc. Ich selber sehe da aber lieber das ou, auch wenn ich jetzt Romaji immer ohne ou schreibe (Ausnahmen bestätigen die Regel!). So sieht man halt sofort (wenn man die japanische Sprache ein bisschen kennt), dass man dieses o betonen muss. Und Galbraith macht das leider nicht immer. So schreibt er halt beispielsweise Bishojo oder Shonen. Aber bei Doujinshi macht er’s.
Positiv anzumerken ist, dass er alles möglichst nah am Japanischen hält. Abgesehen von den nicht-japanischen, sind die Namen (fast) immer in der japanischen Reihenfolge, und auch die Begriffe sind alle auf Japanisch gehalten: Eroge, Ecchi, Chikan. Manchmal sind einige ein bisschen schwierig zu finden, da diese meistens nicht so geschrieben werden: Gyaruge (Galge), Idoru (Idol), Sarariman (Salary Man). Bei Animes werden auch die japanischen Namen verwendet, aber die gängigen englischen sind auch aufgeführt, man wird dann einfach auf den japanischen weitergeleitet. Bei Neon Genesis Evangelion steht dann, dass man unter Shin Seiki Evangelion nachschauen soll.

So viel zum Formalen, nun zum Inhalt selber. Wenn ich das Buch in einem kurzen Satz beurteilen sollte, sähe das etwa so aus: Das Buch ist sehr gut und empfehlenswert!
Denn es werden wirklich viele Wörter erklärt. Und es wird mit Sicherheit jeder das ein oder andere Wort finden, das er/sie nicht kennt. Oder weiss jmd, was Komawari, Kimezerifu oder Akanbe ist? Ich empfehle das Buch jedem, der sich für dieses Zeugs interessiert.
Aber mit sehr gut meine ich nicht das allerhöchste Prädikat. Sonst würde ich iwie hurenmegagigasuperultrakewl schreiben oder so. Die Gründe zeige ich nachfolgend auf.

Knüpfe ich doch an den Kommentar von Danny Choo an, dass das Nachschlagewerk alle erdenklichen Wörter beinhaltet. Wie immer treffen diese Kommentare, welche man auf der Rückseite des Buches findet, nicht zu. Denn das Buch ist bei Weitem nicht vollständig. Und ich meine jetzt nicht irgendwelche Gaywörter, die eh niemand kennen muss, wobei es von denen recht viele im Buch hat. Begriffe, welche mir spontan einfallen, die nicht aufgeführt sind:

Tetsunoko Production
Touhou Project
Hello Kitty
Yonkoma
Goshujin-sama
Square Enix
Final Fantasy (es wird nur FFVII erwähnt)
Megami Magazine
Visal Novel
Kneesocks
CLAMP
DFC
Saimoe
Peko-chan Face

Um mal einige zu erwähnen. Aber diese oben aufgeführten sind schon solche, die unbedingt hineingehören. War doch sehr überrascht, dass diese nicht vorkamen. Würde ich noch ins Eroreich abschweifen, kämen noch viel mehr Ausdrücke hinzu. Es ist zwar das ein oder andere Erowort enthalten, Tentakel kommen wie so oft (leider) vor, aber sonst wird dieser Bereich, verständlicherweise, nicht abgedeckt. Bukkake, Paizuri oder Netorare sucht man vergebens.

Die enthaltenen Begriffe sind aber sehr gut gewählt. Sogar Nice Boat kommt vor. Oder Geschichten von Otakus, die im negativen Sinne berühmt geworden sind, Stichwort Akihabara Incident. Bekannte Persönlichkeiten wie Miyazaki Hayao, Murakami Takashi oder Hayashibara Megumi werden auch behandelt. Es sind also nicht nur Otakubegriffe zu finden, sondern auch wichtige Personen, wegweisende Animestudios und Animes sowie Interviews.
Die Definitionen der Wörter selber sind in der Regel gut und ausführlich, aber nicht immer zufriedenstellend. Moe wird für mich zu ungenau und unausführlich behandelt, wobei dafür viele Zeilen eingeräumt wird. Aber das ist wohl auch eins der am schwierigsten zu definierenden Wörter.

Fazit: Das Buch kann man bedenkenlos erwerben. Mit über 600 Begriffen sind auch sehr viele enthalten. Und es ist wohl das einzige Buch seiner Art auf Englisch. Der Autor versteht sein Metier, zumal er selber Otaku ist. Im Grossen und Ganzen ein gelungenes Werk.
Man kann jetzt natürlich argumentieren, warum man ein Buch kaufen sollte, wenn man alles im Inet findet. Heutzutage findet man sowieso so gut wie alles im Inet. Aber wo gibt es schon so eine ausführliche Zusammenstellung? Und um etwas im Inet zu suchen, muss man den Suchbegriff erst einmal kennen. In einem Lexikon findet man ein unbekanntes Wort einfach irgendeinmal beim Durchlesen.

Neben der Otaku Encyclopedia habe ich noch zwei andere Bücher zu diesem Thema: Otaku: Japan’s Database Animals und Robot Ghosts and Wired Dreams: Japanese Science Fiction from Origins to Anime. Werde von diesen auch etwas schreiben, aber die muss ich erst noch lesen.

Autor: Fruechtechorb in: | Erstellungszeit: 17:44 Uhr | Kategorien: Lesens-/Sehenswertes, Review | Tags: |

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